Sylvia Hennebach-Werner

Augen-Akupunktur

Nadeln für den besseren Blick

Es muss nicht immer gleich Chemie aus der Pillendose sein: Die Augen-Akupunktur löst Probleme mit unserem Sinnesorgan sicher auf die sanfte Tour.

Das kann sich wirklich sehen lassen: Seit rund zehn Jahren hat sich die Akupunktur einen festen Platz in der Augenheilkunde erobert. Mit gezielten feinen Nadelstichen bessert sie bei bis zu 70 Prozent der Patienten Bindehautentzündungen, das trockene Auge oder Veränderungen an der Netzhaut. Was die alternative Therapie noch alles kann und wie sie genau funktioniert, erklärt Anneliese Riehl, Fachärztin für Augenheilkunde, Augenärztliche Gemeinschaftspraxis und Zentrum für Augen-Akupunktur im Wilhelminenhaus, Kiel.

Ist diese Akupunktur eine neue Therapie?

Die Augen-Akupunktur ist, wie die Akupunktur generell, ein wichtiger Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin. der so genannten TCM. Frühe Aufzeichnungen der Akupunktur allgemein finden sich im China des 2. Jahrhunderts vor Christus. Grabfunde mit Steinnadeln, von denen man annimmt, dass sie zu therapeutischen Zwecken verwendet wurden, datiert man auf mindestens 4.000 Jahre vor Christus zurück. In Europa gibt es erste Aufzeichnungen einer Therapie mit dem „Stechen von Nadeln" um 1650.

Handelt es sich bei der Augen-Akupunktur um eine spezielle Variante?

Nein. Als Akupunktur ist sie generell eine Therapie der ganzheitlichen Medizin. Trotzdem können, wie etwa bei der Akupunktur zur Schmerzbehandlung, einzelne Krankheiten gezielt angegangen werden. In diesem Fall sind es diejenigen des Sinnesorgans Auge.

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Werden die Nadeln direkt ins Auge gesetzt?

In das Auge werden überhaupt keine Nadeln gestochen! Der Arzt setzt sie über den ganzen Körper verteilt. Beispielsweise an der Hand, unterhalb des Knies, am Fuß, aber auch im Gesichts- und Halsbereich. Bei bestimmten Augenerkrankungen sticht der Arzt die Akupunkturnadeln auch schon mal dicht um das Auge herum. Die Nadeln verbleiben dann 30 Minuten im Akupunkturpunkt.

Wie wirkt die Augen-Akupunktur?

Grundsätzlich basiert die therapeutische Wirkung der Akupunktur auf der fernöstlichen Erkenntnis, dass die Körperenergie, das Chi, auf bestimmten Bahnen, den Meridianen, durch unseren Körper fließt. Blockaden stauen die Energie, ehemals geregelte Körperfunktionen geraten aus der Balance. Krankheiten sind die Folge. Akupunktur kann solche Blockaden durch gezielte Nadelstiche entlang der Meridiane lösen - die Energie fließt wieder ungehindert. Das macht deutlich, dass Akupunktur den Menschen auch bei Augenerkrankungen als Ganzes betrachtet und sich nicht auf das Einzelorgan Auge beschränkt.

Welche Erkrankungen behandeln Sie damit?

Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation zur Akupunktur-Therapie sind unter anderem akute Bindehautentzündung, Netzhautentzündung, Netzhautveränderungen und die Kurzsichtigkeit bei Kindern. Weitere Augenerkrankungen, die sehr gut auf diese Therapieform ansprechen, sind zum Beispiel die Makula-Degeneration, Entzündungen der Regenbogenhaut oder das trockene Auge. Nicht alle Augenleiden können vollständig geheilt werden. Doch fast alle werden durch die Akupunktur zumindest gelindert, oder das Fortschreiten der Krankheit kann gebremst werden.

Wie viele Sitzungen sind im Schnitt nötig?

Die Anzahl der Sitzungen ist abhängig von der Augenerkrankung. Bei einem akuten Krankheitsbild, etwa einer Bindehautentzündung, reicht oft schon eine Sitzung aus, um die Beschwerden zu bessern. Bei chronischen Erkrankungen wie der Kurzsichtigkeit bei Kindern oder der Makula-Degeneration können auch 15 Sitzungen oder mehr notwendig werden - mit anschließenden Wiederholungsblöcken in bestimmten Abständen.

Gibt es Risiken?

Risiken oder Komplikationen treten extrem selten auf. Es kann beispielsweise zu lokalen Blutungen, einem Kreislaufkollaps oder im schlimmsten Fall zu einer Verletzung innerer Organe kommen.

Was kostet die Behandlung und zahlt die Kasse?

Die Kosten für die Augen-Akupunktur werden von den gesetzlichen Krankenkassen - mit rund 35 Euro - nur im Einzelfall übernommen. Dennoch lohnt es sich, vor Beginn der Behandlung mit der Kasse über eine Kostenerstattung zu sprechen. Manche private Krankenversicherungen tragen die Kosten der Akupunktur-Behandlung. Auch hier sollte zwischen Patient und Kasse vorher eine Absprache erfolgen.

Wer sollte eine Augen-Akupunktur durchführen: ein Augenarzt oder ein TCM-Arzt?

Für mich haben beide Fachrichtungen ihre speziellen, individuellen Indikationsbereiche, die sie behandeln sollten. Optimal ist es, wenn Augenarzt und TCM-Arzt Hand in Hand arbeiten. Ebenso ist es sinnvoll, dass sich klassische Schulmedizin und Akupunktur ergänzen.

Einmal-Akupunkturnadeln bestehen aus Stahl und haben einen filigranen Durchmesser von nur rund 0,28 Millimetern.

Adressen, die Ihnen weiterhelfen

Sie möchten mehr erfahren über Augen-Akupunktur?
Diese drei Adressen vermitteln Ihnen weitere Informationen. Über die beiden letztgenannten erfahren Sie zusätzlich Adressen seriöser Akupunkteure im gesamten Bundesgebiet.

Buchtipp:

"Augen-Akupunktur", von Karin Brucker/Hans- Peter Wutta, Haug Karl Verlag,
124 Seiten, 9,95 Euro.
Die häufigsten Augenleiden und ihre Akupunktur-Behandlung.
Das Buch können Sie bestellen: info@vitaldirekt-shop.de oder Tel. 01 80/5 15 70 00

Fundstelle: VITAL 1/2006

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